Während der Januar in weiten Teilen Europas mit frostigen Temperaturen und kurzen Tagen aufwartet, entfaltet sich an der kenianischen Küste ein wahres Paradies für Familien, die dem Winter entfliehen möchten. Lamu, eine zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Inselgruppe im Indischen Ozean, bietet genau jetzt die perfekten Bedingungen für einen unvergesslichen Familienurlaub. Die Temperaturen pendeln sich angenehm bei 28 bis 30 Grad ein, während die Trockenzeit für strahlend blauen Himmel und ruhige See sorgt – ideale Voraussetzungen, um mit Kindern die einzigartige Swahili-Kultur zu entdecken und gleichzeitig das Reisebudget zu schonen.
Eine Zeitreise ins mittelalterliche Afrika
Lamu Town, die Hauptstadt der Insel, wirkt wie aus einer anderen Epoche. Hier gibt es keine Autos, keine hektischen Straßen und keinen modernen Trubel. Stattdessen schlängeln sich verwinkelte Gassen zwischen jahrhundertealten Korallenhäusern hindurch, während Esel die einzigen Transportmittel neben den traditionellen Dhau-Booten darstellen. Für Kinder ist diese autofreie Umgebung nicht nur sicher, sondern auch faszinierend – wo sonst können sie heute noch erleben, wie Menschen seit über 700 Jahren leben?
Die arabisch-afrikanische Architektur mit ihren kunstvoll geschnitzten Türen erzählt Geschichten von Händlern, die einst mit Gewürzen, Elfenbein und Stoffen handelten. Jede Tür ist ein Kunstwerk für sich, und es wird zum spannenden Spiel für die ganze Familie, die schönsten Exemplare zu fotografieren. Die engen Gassen öffnen sich immer wieder zu kleinen Plätzen, wo lokale Handwerker ihrer Arbeit nachgehen und Kinder beim Traditionellen Bao-Spiel zusehen können.
Aktivitäten für die ganze Familie
Dhau-Segeltörns und Schnorchelabenteuer
Die traditionellen Dhau-Boote mit ihren charakteristischen Dreieckssegeln sind mehr als nur Transportmittel – sie sind schwimmende Klassenzimmer. Familienfreundliche Bootsfahrten zu den umliegenden Inseln kosten zwischen 15 und 25 Euro pro Person für einen halben Tag und bieten Kindern die Möglichkeit, die Kunst des traditionellen Segelns kennenzulernen. Die erfahrenen Kapitäne zeigen gern, wie man mit Wind und Strömung navigiert.
Manda Toto Island und die Mangroven-Kanäle sind besonders empfehlenswert für Familien. Das ruhige, klare Wasser lädt zum Schnorcheln ein, und selbst jüngere Kinder können in den seichten Bereichen bunte Fische, Seesterne und mit etwas Glück sogar Meeresschildkröten beobachten. Eine einfache Schnorchelausrüstung gibt es an vielen Stränden bereits ab 3 Euro pro Tag.
Strände ohne Massentourismus
Shela Beach erstreckt sich über zwölf Kilometer feinsandiger Küste und bleibt selbst im Januar erstaunlich ruhig. Anders als an den überfüllten Stränden anderer Urlaubsziele findet hier jede Familie ihr eigenes ruhiges Plätzchen. Das flach abfallende Wasser ist ideal für Kinder, die im warmen Indischen Ozean planschen möchten. Der Januar bringt zudem optimale Bedingungen zum Drachensteigen – der beständige Wind vom Meer macht dies zu einem beliebten Zeitvertreib, und einfache Drachen sind in den lokalen Läden schon für 2 bis 3 Euro erhältlich.
Kulturelle Entdeckungen
Das Lamu Museum bietet einen kindgerechten Einblick in die Geschichte der Insel. Der Eintritt liegt bei etwa 4 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen die Hälfte. Besonders spannend ist die Ausstellung traditioneller Swahili-Häuser und der maritimen Geschichte. Noch authentischer wird es, wenn man durch das alte Viertel spaziert und Handwerkern bei der Arbeit zusieht – Holzschnitzer, Silberschmiede und Bootsbauer praktizieren ihr Handwerk oft direkt am Straßenrand und erklären neugierigen Besuchern gern ihre Techniken.
Der Freitagsmarkt verwandelt die Straßen in ein buntes Kaleidoskop aus Farben und Düften. Tropische Früchte, frischer Fisch und traditionelle Gewürze stapeln sich auf den Ständen. Für Kinder ist es ein Fest für die Sinne, und die freundlichen Händler lassen sie oft exotische Früchte wie Mangos, Papayas oder die süße Custard Apple probieren.
Praktische Spartipps für Familien
Günstig ankommen und bewegen
Von Mombasa oder Malindi erreicht man Lamu per Bus und anschließender Fährüberfahrt. Diese Kombination kostet pro Person etwa 15 bis 20 Euro und ist deutlich günstiger als kleine Charterflüge. Die Busfahrt dauert zwar mehrere Stunden, bietet aber einen authentischen Einblick ins kenianische Landleben. Die Fähre vom Festland zur Insel verkehrt regelmäßig und kostet unter 1 Euro.
Auf der Insel selbst bewegt man sich zu Fuß oder mietet für längere Strecken einen Esel mit Führer für etwa 5 bis 8 Euro pro Tag. Für Kinder ist eine Eselreise ein unvergessliches Erlebnis. Wer zwischen den Inseln pendeln möchte, nutzt die lokalen Wassertaxis, die zwischen 2 und 5 Euro pro Fahrt kosten.

Familienfreundliche Unterkünfte
Lamu bietet eine breite Palette an Gästehäusern, die perfekt für Familien geeignet sind. Traditionelle Swahili-Häuser mit mehreren Zimmern und einer Dachterrasse findet man bereits ab 40 bis 60 Euro pro Nacht für die ganze Familie. Viele dieser Unterkünfte verfügen über Innenhöfe, wo Kinder sicher spielen können, und bieten die Möglichkeit, Mahlzeiten selbst zuzubereiten – ein erheblicher Spartipp.
Etwas außerhalb von Lamu Town, in Shela, sind die Preise oft noch günstiger, und man wohnt direkt am Strand. Einfache Strandhäuser mit Selbstversorgung kosten zwischen 30 und 50 Euro pro Nacht. Der Kompromiss liegt in der etwas begrenzteren Infrastruktur, aber gerade das macht den Charme aus.
Essen wie die Einheimischen
Die Swahili-Küche ist eine köstliche Mischung aus arabischen, indischen und afrikanischen Einflüssen. In den kleinen Lokalen, die sich auf lokale Gäste konzentrieren, isst eine vierköpfige Familie für 15 bis 20 Euro ausgezeichnet. Frischer Fisch, der am selben Morgen gefangen wurde, wird mit Kokosnuss, Limette und exotischen Gewürzen zubereitet. Ugali, das Grundnahrungsmittel aus Maismehl, und verschiedene Gemüsecurrys sind nicht nur preiswert, sondern auch für Kinder oft überraschend beliebt.
Die Früchtemärkte bieten eine fantastische Möglichkeit, sich mit Snacks für Strandtage einzudecken. Für 5 Euro bekommt man einen ganzen Korb voller tropischer Köstlichkeiten. Frisch gepresste Fruchtsäfte aus Mango, Passionsfrucht oder Wassermelone gibt es an jeder Ecke für etwa 0,50 Euro pro Glas.
Besonders günstig wird es, wenn man in der Unterkunft selbst kocht. Die lokalen Märkte bieten frische Zutaten zu Spottpreisen – ein Kilo frischer Fisch kostet etwa 4 bis 6 Euro, frisches Gemüse und Reis sind noch günstiger.
Warum gerade der Januar perfekt ist
Der Januar gehört zur besten Reisezeit für Lamu. Die Trockenperiode garantiert sonnige Tage mit minimaler Luftfeuchtigkeit, was besonders mit Kindern angenehm ist. Das Meer ist ruhig und warm, die Sicht unter Wasser optimal für Schnorchelausflüge. Gleichzeitig liegen die Preise noch unterhalb der Hochsaison-Spitzen, die erst im europäischen Sommer erreicht werden.
Die Wassertemperaturen von etwa 27 Grad machen Badekleidung zur Hauptgarderobe, und die beständigen Winde sorgen für eine angenehme Brise. Moskitos sind in dieser trockenen Phase deutlich weniger aktiv als während der Regenzeit, was das Reisen mit Kindern erheblich entspannter macht.
Ein weiterer Vorteil: Die Insel ist im Januar nicht überlaufen. Während andere Küstenorte in Kenia von Besuchern frequentiert werden, bewahrt Lamu seine authentische Atmosphäre. Die Strände gehören weitgehend den Einheimischen und jenen Reisenden, die das Besondere suchen.
Gesundheit und Sicherheit
Lamu gilt als einer der sichersten Orte Kenias. Die enge Gemeinschaft und das Fehlen von Autoverkehr schaffen eine entspannte Umgebung, in der sich auch Familien mit kleineren Kindern frei bewegen können. Dennoch sollte man die üblichen Vorsichtsmaßnahmen treffen und Wertsachen sicher aufbewahren.
Medizinische Grundversorgung ist vorhanden, für komplexere Fälle sollte man jedoch eine Reiseversicherung abschließen, die einen Transfer nach Mombasa oder Nairobi abdeckt. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke mit Durchfallmedikamenten, Sonnenschutz und Mückenschutz gehört ins Gepäck. Malaria-Prophylaxe sollte mit einem Tropenmediziner besprochen werden, auch wenn das Risiko im Januar vergleichsweise gering ist.
Leitungswasser sollte nicht getrunken werden. Abgefülltes Wasser kostet etwa 0,50 Euro pro Liter und ist überall erhältlich. Viele Unterkünfte bieten auch gefiltertes Wasser kostenlos an.
Die Kombination aus kultureller Tiefe, natürlicher Schönheit und entspannter Atmosphäre macht Lamu zu einem außergewöhnlichen Reiseziel für Familien, die im Januar dem europäischen Winter entfliehen möchten – ohne dabei das Budget zu sprengen. Die Insel lehrt Kinder und Erwachsene gleichermaßen, dass Luxus nicht immer Fünf-Sterne-Hotels bedeuten muss, sondern in authentischen Begegnungen, unberührter Natur und dem Eintauchen in eine völlig andere Lebensweise liegen kann.
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