Während in Europa der Januar grau und kalt daherkommt, erwartet euch in Battambang eine völlig andere Welt: Goldene Reisfelder im sanften Licht der Morgensonne, koloniale Architektur, die Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählt, und eine Atmosphäre, die so authentisch ist, dass sie sich wie ein Geheimtipp für frisch Vermählte anfühlt. Die zweitgrößte Stadt Kambodschas ist im Januar ein wahres Juwel – bei angenehmen Temperaturen um die 25 bis 30 Grad und kaum Regen bietet dieser Monat perfekte Bedingungen, um gemeinsam als Paar in eine Kultur einzutauchen, die noch nicht vom Massentourismus überrollt wurde.
Battambang vereint das Beste aus zwei Welten: Die entspannte Atmosphäre einer Kleinstadt am Sangker-Fluss mit kulturellen Schätzen, die selbst Angkor-erfahrene Reisende überraschen. Für Paare auf Hochzeitsreise, die dem Trubel der ausgetretenen Pfade entfliehen möchten, ist diese Stadt genau richtig. Hier findet ihr Zeit füreinander, ohne auf beeindruckende Erlebnisse verzichten zu müssen.
Die poetische Seite Battambangs entdecken
Der Charme dieser Stadt erschließt sich beim gemächlichen Erkunden. Die französische Kolonialarchitektur entlang der Hauptstraßen wirkt wie eine Zeitreise: Pastellfarbene Fassaden mit Fensterläden, verfallene Herrenhäuser, die von besseren Tagen zeugen, und schmiedeeiserne Balkone, die im Morgenlicht besonders fotogen wirken. Ein Spaziergang bei Sonnenaufgang, wenn die Stadt gerade erwacht und Mönche in orangefarbenen Roben durch die Straßen ziehen, gehört zu jenen stillen Momenten, die eine Hochzeitsreise prägen.
Das künstlerische Herz der Stadt schlägt in den zahlreichen Galerien und Ateliers, wo junge kambodschanische Künstler traditionelle Techniken mit modernem Ausdruck verbinden. Besonders die Zirkusschulen, die benachteiligten Jugendlichen eine Perspektive bieten, zeigen abendliche Vorstellungen, die artistisches Können mit berührenden Geschichten verknüpfen. Der Eintritt liegt bei etwa 8 bis 10 Euro pro Person – eine Investition, die sich emotional lohnt.
Tempelanlagen abseits der Massen
Während in Siem Reap Touristenbusse die Tempelanlagen belagern, habt ihr in Battambang die Khmer-Ruinen fast für euch allein. Besonders eindrucksvoll ist der Hügeltempel Phnom Banan mit seinen fünf Türmen, der zwar einen schweißtreibenden Aufstieg über 358 Stufen erfordert, aber mit einem Panoramablick belohnt, der die Anstrengung vergessen lässt. Oben angekommen, breitet sich die Landschaft wie ein grüner Teppich vor euch aus – ideal für ein gemeinsames Picknick in luftiger Höhe.
Der Tempelkomplex Wat Ek Phnom aus dem 11. Jahrhundert liegt malerisch zwischen Reisfeldern und bietet mit seinem teilweise eingestürzten Prasat eine romantische Kulisse. Die Wurzeln jahrhundertealter Bäume umschlingen die Sandsteinmauern – ein Naturschauspiel, das an die Vergänglichkeit erinnert und gleichzeitig die Kraft des Lebens zeigt.
Die berühmte Bambuszugfahrt und andere Fortbewegungsabenteuer
Die sogenannten Bambuszüge – improvisierte Schienenfahrzeuge aus Bambusplattformen mit kleinen Motoren – sind legendär, auch wenn ihre Tage durch moderne Bahnstrecken gezählt sind. Solltet ihr noch die Gelegenheit haben, eine dieser wackeligen Konstruktionen zu besteigen, erlebt ihr eine Fahrt, die irgendwo zwischen Nervenkitzel und Komödie angesiedelt ist. Wenn euch ein entgegenkommender „Zug“ begegnet, wird kurzerhand das leichtere Gefährt abgebaut und zur Seite geräumt – Eisenbahnlogik auf kambodschanisch. Die Fahrt kostet etwa 5 Euro pro Person.
Für die täglichen Erkundungen sind Fahrräder das Transportmittel der Wahl. Zahlreiche Unterkünfte verleihen sie für 1 bis 2 Euro pro Tag, und die flache Landschaft rund um Battambang ist wie geschaffen fürs Radeln. Besonders die Strecke entlang des Flusses oder hinaus zu den Dörfern bietet immer wieder Fotomotive und authentische Begegnungen mit Einheimischen.
Tuk-Tuks und Fahrer für den Tag
Für längere Ausflüge zu den Tempeln oder ins Umland lohnt es sich, einen Tuk-Tuk-Fahrer für einen ganzen Tag zu engagieren. Die Preise liegen bei etwa 15 bis 20 Euro für acht Stunden – verhandelt freundlich, aber bestimmt. Viele Fahrer sprechen Grundkenntnisse Englisch und fungieren gleichzeitig als informelle Guides, die euch Orte zeigen, die in keinem Reiseführer stehen.

Kulinarische Entdeckungen für schmale Budgets
Die Essensszene in Battambang ist köstlich und erschwinglich zugleich. Auf den Märkten findet ihr morgens frische Nudelsuppen für umgerechnet 1 bis 1,50 Euro, die so aromatisch sind, dass ihr sie täglich essen könntet. Die lokalen Garküchen servieren Amok – ein traditionelles Curry mit Fisch oder Hühnchen in Kokosmilch – für etwa 2 bis 3 Euro.
Besonders atmosphärisch wird es am Abend entlang der Flusspromenade, wo kleine Restaurants mit Blick aufs Wasser traditionelle Khmer-Küche anbieten. Ein komplettes Abendessen für zwei Personen mit mehreren Gerichten, frischen Fruchtsäften und vielleicht einem lokalen Bier liegt bei 12 bis 18 Euro – und das in romantischer Kulisse mit Sonnenuntergang inklusive.
Für ein besonderes Erlebnis besucht einen der Kochkurse, die in privaten Häusern oder kleinen kulinarischen Schulen angeboten werden. Für etwa 15 bis 20 Euro pro Person lernt ihr nicht nur, wie man authentische kambodschanische Gerichte zubereitet, sondern bekommt auch Einblicke in Alltag und Lebensweise der Menschen.
Unterkünfte mit Charme und kleinem Preis
Battambang bietet eine überraschende Vielfalt an Unterkünften für Hochzeitsreisende, die nicht das Budget sprengen. Charmante Gästehäuser in renovierten Kolonialgebäuden mit hohen Decken, Ventilatoren und authentischem Flair findet ihr ab etwa 20 bis 30 Euro pro Nacht. Viele dieser Unterkünfte werden von freundlichen Gastgebern geführt, die wertvolle Tipps für eure Erkundungen parat haben.
Für etwas mehr Komfort bieten kleine Boutique-Unterkünfte am Fluss Zimmer mit eigenem Balkon, von dem ihr den Sonnenuntergang beobachten könnt, für etwa 35 bis 50 Euro. Klimaanlage, saubere Badezimmer und oft auch ein kleiner Pool gehören in dieser Preisklasse zum Standard.
Phare Ponleu Selpak und die Fledermaushöhlen
Wenn die Sonne sich dem Horizont nähert, beginnt eines der faszinierendsten Naturschauspiele der Region. Aus den Höhlen am Phnom Sampeau strömen zur Dämmerung Millionen von Fledermäusen in einer scheinbar endlosen Schlange gen Himmel. Dieses Spektakel, das etwa 45 Minuten dauert, zieht nur wenige Zuschauer an – ihr könnt diesen magischen Moment oft nahezu allein genießen. Die Anfahrt mit dem Tuk-Tuk ist im Tagespreis enthalten, wenn ihr den Fahrer für mehrere Stunden bucht.
Der Hügel selbst birgt neben Tempeln auch dunkle Geschichte: Höhlen, die während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer als Hinrichtungsstätten dienten, erinnern an tragische Zeiten. Ein Besuch ist emotional fordernd, aber wichtig, um Kambodscha wirklich zu verstehen.
Praktische Hinweise für euer Wochenende
Ein verlängertes Wochenende reicht aus, um die Highlights zu erleben, auch wenn die Stadt durchaus mehr zu bieten hat. Plant einen Tag für die Tempel und das Umland, einen Tag für die Stadt selbst mit ihren Galerien und Märkten. Die Abende gehören dem Flanieren am Fluss, gutem Essen und dem Genießen eurer gemeinsamen Zeit.
Der Januar ist klimatisch ideal: Die Regenzeit ist vorbei, die Temperaturen sind erträglich, und die Landschaft zeigt sich in sattem Grün. Nehmt Sonnenschutz mit, denn die Sonne kann intensiv sein, besonders bei Tempelbesuchen zur Mittagszeit. Respektvolle Kleidung – bedeckte Schultern und Knie – ist bei religiösen Stätten obligatorisch.
Battambang erreicht ihr von Siem Reap aus in etwa drei Stunden per Bus für rund 5 bis 7 Euro oder per Boot über den Tonle Sap See – eine landschaftlich reizvolle, aber längere und teils holprige Option. Von Phnom Penh dauert die Busfahrt etwa fünf Stunden und kostet ähnlich wenig.
Diese Stadt hat etwas Stilles, Authentisches, das perfekt zu den ersten gemeinsamen Tagen als Ehepaar passt. Battambang fordert euch nicht mit Attraktionen im Minutentakt, sondern lädt ein zum Verweilen, Entdecken und gemeinsamen Staunen über eine Kultur, die ihre Traditionen bewahrt hat, ohne sich touristischen Erwartungen anzupassen. Und genau das macht den Januar hier zu einem idealen Zeitpunkt für eine Hochzeitsreise, die euch noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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