Beim Griff ins Kühlregal verlassen sich Eltern darauf, dass die Produktbezeichnungen auf Käseverpackungen eindeutig sind. Doch gerade bei Pecorino können die Angaben auf der Verpackung irreführend sein und Erwartungen wecken, die das Produkt nicht erfüllt. Was viele Verbraucher nicht wissen: Hinter dem Begriff Pecorino verbergen sich unterschiedliche Qualitätsstufen und Herstellungsverfahren, die erheblichen Einfluss auf Geschmack, Nährwert und Eignung für Kinder haben.
Pecorino ist nicht gleich Pecorino: Das steckt wirklich hinter der Bezeichnung
Der Begriff Pecorino leitet sich vom italienischen Wort pecora für Schaf ab und bezeichnet traditionell einen Schafskäse. Doch an dieser Stelle beginnt bereits die Verwirrung für Eltern, die bewusst einkaufen möchten. Nicht jeder Käse, der als Pecorino im Supermarktregal steht, besteht ausschließlich aus Schafsmilch. Bei generischen Produkten ohne geschützte Herkunftsangabe können Hersteller Kuhmilch oder Mischungen verschiedener Milchsorten verwenden, ohne dass dies sofort auf den ersten Blick erkennbar sein muss.
Die Verkaufsbezeichnung auf der Vorderseite der Verpackung kann dabei durchaus korrekt im rechtlichen Sinne sein, während sie beim Verbraucher dennoch falsche Vorstellungen hervorruft. Besonders problematisch wird dies, wenn Eltern gezielt nach Schafskäse suchen, sei es aus ernährungsphysiologischen Gründen, wegen möglicher Unverträglichkeiten gegenüber Kuhmilch oder schlicht aufgrund der Erwartung an den Geschmack.
Warum gerade Eltern besonders aufpassen sollten
Für Familien mit Kindern spielt die richtige Produktauswahl eine zentrale Rolle. Viele Eltern greifen bewusst zu Schafskäse, weil dieser als bekömmlicher gilt und bei manchen Kindern mit Kuhmilchunverträglichkeiten besser vertragen wird. Wenn jedoch ein als Pecorino bezeichnetes Produkt teilweise oder vollständig aus Kuhmilch besteht, wird diese bewusste Kaufentscheidung unterlaufen. Das Kind bekommt nicht das Lebensmittel, das die Eltern ausgewählt haben, und im schlimmsten Fall können unerwünschte Reaktionen auftreten.
Hinzu kommt die Preisfrage: Echter Schafskäse ist in der Herstellung aufwendiger und teurer als Kuhmilchkäse. Wer den höheren Preis bezahlt, erwartet zu Recht auch das entsprechende Produkt. Niemand möchte das Gefühl haben, für ein Premium-Produkt bezahlt zu haben, nur um dann festzustellen, dass im Einkaufskorb eine günstigere Alternative gelandet ist.
Die Tricks mit den Zusatzbezeichnungen
Ein genauer Blick auf die Verpackung offenbart häufig kleine, aber entscheidende Zusätze zur Hauptbezeichnung. Formulierungen wie nach Art von, Typ oder ähnliche Wendungen können rechtliche Schlupflöcher darstellen. Diese Zusätze signalisieren, dass das Produkt lediglich einem traditionellen Pecorino nachempfunden ist, aber nicht den klassischen Herstellungsanforderungen entspricht.
Für eilige Eltern beim Wocheneinkauf mit quengelnden Kindern im Schlepptau sind diese feinen Unterschiede kaum wahrnehmbar. Die Aufmachung der Verpackung mit mediterranen Motiven, italienisch klingenden Produktnamen und der prominenten Platzierung des Begriffs Pecorino erweckt den Eindruck eines authentischen Produkts. Die entscheidenden Informationen verstecken sich dagegen oft im Kleingedruckten auf der Rückseite, wo sie niemand vermutet.
Was das Zutatenverzeichnis wirklich verrät
Der verlässlichste Weg zur Wahrheit führt über das Zutatenverzeichnis. Hier muss die verwendete Milchart angegeben werden. Steht dort ausschließlich Schafsmilch oder pasteurisierte Schafsmilch, handelt es sich um einen echten Pecorino. Findet sich jedoch die Angabe Kuhmilch oder eine Kombination verschiedener Milchsorten, sollten bei bewussten Verbrauchern die Alarmglocken läuten.
Das Problem: Viele Käufer schauen primär auf die Verkaufsbezeichnung und den Preis, das Zutatenverzeichnis wird oft übersprungen. Hersteller wissen dies und nutzen diesen Umstand gezielt aus. Die rechtlich korrekte, aber für Laien schwer verständliche Kennzeichnung erfüllt zwar formale Anforderungen, schützt Verbraucher jedoch nicht vor Fehlkäufen.
Geschützte Ursprungsbezeichnungen als sichere Orientierungshilfe
Eine wichtige Hilfestellung beim Einkauf bieten geschützte Ursprungsbezeichnungen wie DOP oder PDO. Käsesorten mit diesen Siegeln unterliegen strengen Produktionsrichtlinien, die auch die verwendete Milchart regeln. Ein Pecorino mit solcher Kennzeichnung muss aus der angegebenen Region stammen und nach traditionellen Verfahren hergestellt sein, einschließlich der Verwendung von reiner Schafsmilch zu 100 Prozent.
Der Pecorino Romano DOP erhielt seine Zertifizierung bereits am 4. November 1991 und ist einer der bekanntesten Vertreter dieser geschützten Käsesorten. Der Pecorino Sardo DOP wird zu 100 Prozent aus Schafsmilch auf Sardinien hergestellt und muss mindestens drei Monate reifen. Diese strengen Auflagen garantieren Qualität und Herkunft, auf die sich Verbraucher verlassen können.

Allerdings tragen längst nicht alle im Handel erhältlichen Produkte diese Siegel. Viele Hersteller produzieren bewusst Varianten ohne geschützte Herkunftsangabe, um flexibler in der Rezeptur zu sein und Kosten zu senken. Vor allem kleinere Produzenten verzichten manchmal auf das DOP-Gütesiegel, weil sie die kostenpflichtige Mitgliedschaft in einem der zuständigen Konsortien scheuen. Für Verbraucher bedeutet dies: Fehlt das Herkunftssiegel, ist erhöhte Vorsicht geboten und ein Blick ins Zutatenverzeichnis unverzichtbar.
Der Preisvergleich als Warnsignal
Ein auffallend günstiger Preis bei vermeintlichem Pecorino sollte stutzig machen. Ein Produkt, das preislich mit gewöhnlichem Schnittkäse aus Kuhmilch konkurriert und dennoch als Pecorino bezeichnet wird, verdient besondere Aufmerksamkeit. Natürlich gibt es Sonderangebote und Aktionspreise, doch extreme Preisunterschiede innerhalb der vermeintlich gleichen Produktkategorie deuten auf Unterschiede in der Zusammensetzung hin.
Hier lohnt der Vergleich mehrerer Produkte und der kritische Blick auf die tatsächlichen Inhaltsstoffe. Wer beim Discounter einen Pecorino für drei Euro findet, während das DOP-geschützte Pendant im Feinkostladen das Doppelte kostet, sollte sich fragen, woher diese Preisdifferenz stammt. Oft ist die Antwort in der verwendeten Milchart zu finden.
Praktische Tipps für den bewussten Einkauf
Um beim Kauf von Pecorino nicht in die Falle zu tappen, sollten Eltern einige grundlegende Kontrollen zur Routine machen. Diese Strategien helfen dabei, echten Schafskäse von Imitaten zu unterscheiden:
- Suchen Sie nach Herkunftssiegeln wie DOP oder PDO, diese garantieren 100 Prozent Schafsmilch
- Lesen Sie das Zutatenverzeichnis und achten Sie explizit auf die Angabe der Milchart an erster Stelle
- Bekannte geschützte Sorten sind verlässliche Optionen für den Familieneinkauf
- Vergleichen Sie Preise verschiedener Anbieter und hinterfragen Sie besonders günstige Angebote kritisch
- Meiden Sie generische Pecorino-Produkte ohne Regionsangabe oder Gütesiegel
Was Verbraucher rechtlich wissen sollten
Die Lebensmittelkennzeichnung unterliegt EU-weiten Regelungen, die bestimmte Mindestangaben vorschreiben. Doch zwischen dem rechtlich Zulässigen und dem Verbraucherverständnis klafft oft eine erhebliche Lücke. Hersteller bewegen sich im Rahmen der Gesetze, nutzen aber Grauzonen und gestalterische Freiheiten, um ihre Produkte möglichst attraktiv zu positionieren.
Verbraucherschutzorganisationen kritisieren seit Jahren, dass die Vorschriften nicht weit genug gehen und zu viel Spielraum für irreführende Gestaltung lassen. Bis sich hier etwas ändert, bleibt Verbrauchern nur die eigene Wachsamkeit. Wer sich getäuscht fühlt, kann sich an Verbraucherzentralen wenden und Produkte melden, die als irreführend empfunden werden. Jede Beschwerde trägt dazu bei, den Druck auf Hersteller und Gesetzgeber zu erhöhen.
Die Verantwortung liegt auch bei den Herstellern
Transparenz sollte kein Luxus sein, sondern Standard. Hersteller, die ihre Produkte klar und unmissverständlich kennzeichnen, verdienen das Vertrauen der Verbraucher. Leider setzen noch zu viele Unternehmen auf Strategien, die eher auf Verschleierung als auf Klarheit abzielen. Der Wettbewerbsdruck mag hoch sein, doch langfristig profitieren alle Beteiligten von ehrlicher Kommunikation.
Eltern, die einmal enttäuscht wurden, werden beim nächsten Einkauf möglicherweise ganz auf das Produkt verzichten oder zur Konkurrenz wechseln. Vertrauen ist schwer zu gewinnen und leicht zu verspielen, eine Lektion, die auch im Lebensmittelhandel gilt. Unternehmen, die auf echte Qualität setzen und dies auch kommunizieren, bauen langfristige Kundenbeziehungen auf.
Wer künftig Pecorino für seine Familie kauft, sollte die wichtigsten Punkte im Kopf behalten: Auf DOP-Siegel achten, Zutatenverzeichnis prüfen, bekannte geschützte Sorten bevorzugen und bei generischen Produkten ohne Herkunftsangabe vorsichtig sein. Die gute Nachricht: Die meisten im Handel erhältlichen Pecorino-Sorten mit erkennbarem Namen und DOP-Schutz sind tatsächlich zu 100 Prozent aus Schafsmilch hergestellt. Mit diesen Strategien lassen sich Fehlkäufe vermeiden und das Vertrauen in die eigene Produktauswahl stärken.
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